Kurz gesagt
Ökopunkte – amtlich „Wertpunkte“ (WP) – sind die Währung des bayerischen Naturschutzrechts. Wer baut und dabei Natur beeinträchtigt, muss diesen Eingriff ausgleichen. Wer umgekehrt eine Fläche ökologisch aufwertet, erzeugt Wertpunkte, die er an Bauherren verkaufen kann. Die Spielregeln dafür stehen in der Bayerischen Kompensationsverordnung (BayKompV).
Das System schafft einen echten Markt: Landwirte, Kommunen und Stiftungen produzieren Naturkapital – Projektentwickler, Netzbetreiber und Gemeinden kaufen es, um ihre Genehmigung zu bekommen.
Wie entstehen Ökopunkte?
Grundlage ist die Biotopwertliste der BayKompV: Jeder Flächenzustand hat einen Wert in Wertpunkten je Quadratmeter. Ein intensiv bewirtschafteter Acker liegt beispielsweise deutlich niedriger als artenreiches Extensivgrünland. Die Differenz zwischen Ausgangszustand und Zielzustand, multipliziert mit der Fläche in Quadratmetern, ergibt die erzeugten Wertpunkte.
Ein Rechenbeispiel: Wird ein Acker (Ausgangswert 2 WP/m²) auf 2 Hektar zu artenreichem Extensivgrünland (Zielwert 12 WP/m²) entwickelt, entstehen (12 − 2) × 20.000 m² = 200.000 Wertpunkte.
Das Ökokonto: Punkte auf Vorrat
Wer eine Fläche aufwertet, bevor ein konkreter Eingriff ansteht, kann die Maßnahme als Ökokonto bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) anerkennen lassen. Die Punkte werden im Ökoflächenkataster (ÖFK) des Landesamts für Umwelt geführt und können später ganz oder in Teilen an Eingriffsverursacher verkauft – fachlich: abgebucht – werden.
Wichtig: Anerkannte, aber noch nicht verkaufte Ökokonto-Punkte werden in Bayern nach § 16 Abs. 3 BayKompV verzinst – mit 3 % pro Jahr, maximal 10 Jahre, ohne Zinseszins. Ein Ökokonto wird also mit der Zeit wertvoller.
Die wichtigste Regel: der Naturraum
Ökopunkte sind nicht beliebig handelbar. Die Kompensation muss grundsätzlich in derselben naturräumlichen Haupteinheit erfolgen wie der Eingriff. Bayern ist in Haupteinheiten wie D64 (Donau-Iller-Lech-Platte), D65 (Unterbayerisches Hügelland) oder D66 (Voralpines Hügel- und Moorland) gegliedert.
Für Käufer heißt das: Es zählt nur Angebot im richtigen Naturraum. Für Verkäufer heißt das: Der Wert der eigenen Punkte hängt stark davon ab, wie knapp der Markt im eigenen Naturraum ist. Unsere Marktlage-Karte zeigt genau das – tagesaktuell.
Was ist ein Ökopunkt wert?
Es gibt keinen amtlichen Preis. Der Marktpreis entsteht aus Angebot und Nachfrage je Naturraum. Bayern gliedert sich in fünf Preiszonen: günstige, ländlich geprägte Räume (ca. 1,50–3,25 Euro je Wertpunkt), der mittlere Markt (ca. 2,00–4,00 Euro), das hochpreisige Donau-Iller-Lech-Gebiet (ca. 2,90–4,70 Euro), die Premium-Räume um München und Landshut (ca. 3,20–6,50 Euro) sowie der Sondermarkt Alpen (ca. 3,00–5,00 Euro). In knappen Naturräumen mit hoher Bautätigkeit werden auch höhere Preise erzielt.
Für eine erste Einordnung Ihrer Fläche genügt unser kostenloser Flächencheck – er schätzt Punktepotenzial und Erlösspanne in rund 60 Sekunden.
